Altstraßen

im Herzen Europas

Römerstraße Trier-Metz: Abschnitt Tawern-Helenenkreuz

Tawern, das römische Taberna

Die heutige Hauptstraße in Tawern ist die alte Römerstraße. Tawern liegt am Fuße des Metzenberges. Ausgrabungsarbeiten haben neun Gebäudegrundrisse zu beiden Seiten der Römerstraße freigelegt. Händler und Handwerker haben hier gewohnt und gearbeitet. Herbergen und Bewirtungshäuser werden wohl dabei gewesen sein. Der interessanteste Fund in diesem Vicus ist eine Schmiede, bei der eine bis zu 50cm starke Schicht mit extrem hohem Holzkohleanteil, winzigen Eisenpartikeln und Partien angeglühten Bodens sowie zahlreichen Schlackenfunden nachweisbar sind. Hier wurden sicherlich auch eiserne Werkzeuge und Geräte produziert . Die Anlage ist frei zu besichtigen.

Auf dem Metzenberg liegt der römischer Tempelbezirk. Man erreicht ihn, wenn man der Hauptstraße bis zur Bachstraße folgt, in diese einbiegt und schließlich dem Wegweiser zum Tempelbezirk folgt. Zum Tempelbezirk führt ein steiler Weg. Mit dem Auto kann man nur bis zum Parkplatz fahren. Von da aus bleibt noch ein kleiner steiler Fußmarsch zum Tempelbezirk. Wenn man bis zum Tempel mit dem Auto fahren will (muß), muß man über Onsdorf hinauf auf die Römerstraße (Kammstraße) fahren und auf dieser direkt in nördlichzer Richtung zum römischen Tempel. Eine Tafel der Gemeinde Tawern, vor der Templanlage, informiert:

Innerhalb einer unregelmäßig viereckigen Mauer mit Eckbauten ,die bis zu drei Phasen aufweist, konnten 7 Kultbauten in terrassiertem Gelände festgestellt werden. Ihre Eingänge sind zum Tal hin orientiert. Hier lag auch der Haupteingang in den heiligen Bezirk.

Zur ältesten Bebauung gehören 5 einfache Quadrat – bzw. Rechteckbauten, deren Fronten in einer Flucht liegen. Von diesen wird nur Tempelchen II bis in die letzte Zeit des Heiligtums aufrecht gestanden haben. Der große Tempel III wurde niedergelegt und durch den dicht dahinter errichteten Bau IV ersetzt. Seinen quadratischen Kultraum, die Cella, umgab an drei Seiten ein Umgang. Drei kleine Bauten mußten abgerissen werden, um Platz für den großen Tempel I zu schaffen . Seine Cella ist rechteckig. Auch sie umgab ein dreiseitiger Umgang. Über sein Aussehen liefern uns der ergrabene Grundrißbefund und aufgefundene Architekturteile wichtige Hinweise. Der Umgang war nach außen hin offen. Auf 13 Sandsteinpostamenten, 5 an jeder Seite, standen sogenannte toskanische Säulen, ebenfalls aus Sandstein. Sie trugen das Pultdach. Die Cella mit ihrem Satteldach überragte den Umgang deutlich.

An der nordwestl. Ecke des Tempels IV konnte ein ursprünglich mehr als 15m tiefer quadratischer Brunnen freigelegt werden. Er war mit Erde, Steinen und Architekturteilen angefüllt.Außerdem fanden sich darin Inschriftfragmente, figürliche Reliefs und der Kopf einer Statue aus Kalkstein.

Merkur, der Gott des Gewerbes, des Handels und des Verkehrs war der Hauptgott des Tempelbezirks auf dem Metzenberg. Ihn nennen hier 5 hier gefundene Inschriften. Von seinem Kultbild stammt der im Brunnen gefundene leicht überlebensgroße Kalksteinkopf. Ein Weihaltar ist Merkur und dem Licht- und Heilgott Apollo geweiht. Zwie Reliefs zeigen die gallische Pferdegöttin Epona und das ägyptische Götterpaar Isis und Serapis. Die Grabungsfunde werden im Rheinischen Landesmuseum Trier aufbewahrt.

Die Funde aus dem Brunnen beleuchten das Ende des gallo-römischen Heiligtums von Tawern: Eine tief im Schacht gefundene Münze, die im ausgehenden 4. bis frühem 5.Jahrhundert geprägt wurde beweist, daß der Brunnen bis zu dieser Zeit noch unzerstört war. Im Jahr 392 n. Chr. wurde die Ausübung der heinischen Kulte von Kaiser Theodosius endgültig verboten. Danach wurden die

Tempel und Weihegaben des heiligen Bezirks zerstört und nach und nach teilweise in den Brunnen geworfen.

Entscheidend für die Wahl des Platzes war die Nähe zur römischen Fernstraße, die vom Mittelmeer kommend – die antiken Städte Metz, Trier und Köln miteinander verband. Vom Tempelbetirk aus hat man den ersten Blick ins Moseltal und nach Augusta Treverorum / Trier.

Die alte Römerstraße zieht dicht an der Tempelanlage vorbei und zieht in südlicher Richtung auf dem Kamm des Metzenberges in die Richtung Schaart – Wald und Kümmern.

Nach dem Schaartwald erscheint die Römerstraße zunächst nur als Geländerain und ist nur in Spuren zu erkennen. Sie zieht oberhalb von Kümmern vorbei und trifft an der Wegekreuzung Fisch / Söst wieder auf die Landstraße.

Die heutige Landstraße verläuft auf der Trasse der Römerstraße als Kammstraße zum Helenenkreuz. Dort zweigt ein Arm ab, der über Palzem, Dahlheim Thionville nach Metz führt. Der andere Arm verläuft weiterhin als Kammstraße nach Süden in Richtung Merzkirchen. Wir wollen hier dem Arm nach Metz folgen.

Literatur:

Wanderkarte 1 : 25 000, Erholungsgebiet Saartal, Obermosel, Herausgeber: Verein Erholungsgebiet Saar e.V., Saarburg, Verkehrsamt

Infotafeln am römischen Merkurtempel

Heinz Küppers, Die Römer in Rheinland-Pfalz, S.569