Altstraßen

im Herzen Europas

Die Römerstraße von Trier nach Bingen (Ausoniusstraße)

Der römische Kaiser Valentinian I. residierte mit seinem Hof in Trier, das von von 287 bis 390 der Sitz der römischen Kaiser war. Er suchte für seinen Sohn Gratianus einen besonders guten und ausgezeichneten Lehrer. Er kam auf den Professor für Rhetorik Decimus Magnus Ausonius aus Bordeaux (Burdigala), der damals schon als Dichter bekannt war, und berief ihn um 365 an den kaiserlichen Hof nach Trier. Bei seiner Anreise befuhr der Professor mit einem Pferdegespann die damalige Römerstraße von Bingen nach Trierer. Er war von der Landschaft so beeindruckt, daß er ein besonderes Gedicht "Mosella" mit 483 Hexametern schrieb. Damit hat er diese Straße zur "Via Ausonia" gemacht. Der Dichter durfte später seinen Kaiser auf einem Kriegszug gegen die Germanen begleiten und sich dabei aus der Kriegsbeute eine Sklavin, ein hübsches Suebenmädchen, aussuchen. Er war von diesem schönen Mädchen so beeindruckt, daß er sie sofort in die Freiheit entließ. Nachdem aber ihre Heimat völlig zerstört und ihre Angehörigen getötet waren, fragte das Mädchen ihren Befreier, ob sie ihn nach Trier folgen und bei ihm bleiben könne. Hocherfreut lud er sie ein bei ihm zu bleiben. In einigen seiner Gedichte macht er sie unter dem Namen Sulpitilla Bissula unsterblich. In dem Gedicht werden besonders die Orte Bingen, Simmern, Denzen, Kirchberg und Neumagen genannt. Aus diesem Grunde hat man später die Straße nach diesem römischen Dichter benannt.

Trier als zentraler Sitz der Verwaltung ist außerordentlich schnell gewachsen. Dabei sind bedeutende Bauwerke entstanden. Besonders zu erwähnen sind z.B. Basilika (ehemals mit dem Thronsaal des Kaisers, gebaut Anfang des 4.Jhds), Amphiteater (gebaut um 100 n.Chr.), Kaiserthermen (gebaut um 300 n.Chr.)und die Barbarathermen (gebaut im 2. Jhd nach Chr.). Im Zuge einer Stadterweiterung und Befestigung mit Anlage von Stadtmauern und Tore wurde auch die Porta Nigra erbaut. Die Straßen waren also schon früher angelegt. Nach heutigen Kenntnissen wurde die Porta Nigra im letzten Drittel des 2.Jhs nach Chr. gebaut.

Die Porta Nigra ist nach E.Zahn das bedeutendste römische Bauwerk auf deutschem Boden und das am besten erhaltene Stadttor der antiken Welt. Der Bau des historischen Gebäudes ist bis heute nicht abgeschlossen. Alle Quader sind nur roh behauen und entbehren der vom Baumeister konzipierten strengen Profile, Gesimse und vor allen Dingen der Glättung. Eine Begründung für die unterbrochene Fertigstellung des Gebäudes wird in den notwendigen Verteidigungsmaßnahmen gesehen, die 197 nach Chr.durch den Aufstand der Gallier unter dem Gegenkaiser Clodius Albinus und der Belagerung der Stadt Trier, erforderlich wurden. Dabei entfernte man das Baugerüst um die Verteidigung nicht zu behindern und insbesondere um einen drohenden Brand des Baugerüstes zu vermeiden. Die Stadt wurde damals von der 22. römischen Legion aus Mainz befreit und der Aufstand niedergeschlagen.

 

 

Abschnitt Trier - Neumagen

Die Ausoniusstrasse setzt sich aus verschiedenen vorrömischen Strassenteilen zusamnmen, wie die zahlreichen vorgeschichtlichen Gräber und Funde im Hunsrückgebiet im näheren Bereich der Heerstraße zeigen. Die Römer bauten bestimmte Teilstücke für ihre Ziele um und aus.

Die Altstraße führte durch die Porta Nigra, nach Pfarrer Schmitt, etwa auf der heutigen Trasse der Paulinstraße. Sie führte etwa südöstlich am städtischen Friedhof vorbei und zog zur "Alte Straße", wie dort eine frühere Strasse genannt wurde.

 In den Wiesen von Nellsländchen wurde die Ausoniusstraße nur zwei Fuß unter der Erdoberfläche gefunden. Sie war mit Schiefer und Grünstein gestickt. In der Umgebung wurden römische Gräber aus dem 2.Jhd. gefunden (Hagen, S. 330). Ein Arm der Römerstrasse nach Bingen verlief von hier hinauf auf den Hunsrück in den Raum Fell. Der andere Arm führte im Moseltal nach Neumagen. Die Ruwer wurde zwischen Ruwer-Maximin und Ruwer-Paulin überschritten. Dann zog die Römerstrasse durch Kenn (römische Bauten, Mosaiken, Brunnen, römische Gräber) und führte an die Stelle an der nach Schmitt das Gebirge ganz nahe an die Mosel heran rückt. Beim Neubau der heutigen Straße wurde die alte Römerstraße erkannt und abgegraben. Im südwestlichen Teil von Longuich wurde die Römerstrasse dann wieder angeschnitten. Bei der Longuicher Mühle überquerte sie den Feller Bach und zog zwischen Riol und der Mosel weiter in die östliche Richtung in die Richtung von Riol, oder nach Rigodulum wie man früher den Ort nannte.

Von hier aus kann die alte Römerstraße (allerdings ein Strassen-Folgebau) auch heute noch befahren oder begangen werden.

Riol hat seinen Namen von dem älteren Rigodulum, wo im Jahre 70 nach Chr. im Bataverkrieg der römische Feldherr Petilius Cerealis unter dem Kaiser Vespasian dieTreverer unter ihrem Anführer Valentinus geschlagen hat.

Rigodulum ist ein latinisiertes keltisches Wort, das auf einen Ort in guter Weinlage hinweist.

Der Weinerlebnispfad in und um Riol informiert in Wort und Bild auf 15 Tafeln über die Abstammung und Verbreitung verschiedener Rebsorten. Er schildert die gängigen Arbeiten in der Landwirtschaft und im Weinbau.

Er zeigt natürlich auch durch seine Anlage die wirklich schöne Umgebung mit den einmaligen Ausblicken auf das Moseltal.

Die Trasse der Römerstraße zieht auf der rechten Uferseite unter die Mehringer Brücke hindurch. Sie rückt dabei sehr nahe an die Bergnase des Kammerwaldes heran. Sie berührt Neumehring gegenüber von Mehring. Aus der Mitte des 2.Jhds.stand hier die Villa eines Gutshofes. Sie umfaßte nach Um- und Anbaumaßnahmen im 3. und 4. Jhd. 35 Räume und war damit zu ihrer Zeit eine der größten Villenanlagen des Trierer Raumes. Sie verfügte über großzügige Badeanlagen, Mosaikfußboden und eine Heizanlage. 

Die Römerstrasse zog am Pölicher Helt vorbei, wo noch ein Meilenstein vermutlich aus der Zeit um 100 n.Chr. gefunden wurde. Die Strasse verlief entlang der Mosel nach Detzem. Der Ort ist nach dem 10.Leugenstein ( 22,2 km von Trier) benannt. In diesem Gebiet wurden neben vielen römischen Funden auch ein Grab aus der Hallstattzeit und Gräber der La Tènezeit ausgegraben.

Wegen der Dichte dieser Funde geht man davon aus, daß auch hier die Ausoniusstrasse Vorgängerwege aus vorgeschichtlicher Zeit hatte.

Leiwen ist ein gepflegter Weinort an der Römischen Weinstrasse mit gemütlichen Restaurants und Hotels.

Im Distrikt Hostert bei Leiwen auf dem Hochplateau wurden erst 1980 die Reste eines Landgutes aus dem 3. und 4.Jhd. konserviert. Die Schiefermauern waren in Lehm gesetzt.Ein befeuertes Warmbad und ein Kaltbad konnten erkannt werden.In einem gesonderten Raum waren ein Lagerraum und ein Getreidespeicher untergebracht. Dazu war eine T-förmige Getreidedarre vorhanden.

Bei der Weiterfahrt in Richtung Neumagen / Dhron auf der Römerstraße unterfährt man die Trittenheimer Moselbrücke. Sie gilt als Kleinod von Trittenheim wegen der malerischen beiden Türmchen auf der Brücke.

Zur Erinnerung an die Ermordung der standhaften Christen der thebäischen Legion vor der Porta Nigra in Trier erbauten Graf Salentin von Isenburg und seine Gattin Elisabeth von Hunolstein im Jahr 1506 diese Märtyrerkapelle. Nach der Sage soll das Blut der Ermordeten die Mosel bis an diese Stelle rot gefärbt haben.

1764 war eine Renovierung notwendig geworden. Dabei erfolgte auch eine Neugestaltung.

Neumagen, das alte Noviomagus Treverorum, die Wiege des Weinbaus in Deutschland, ist auch unter dem Begriff "Moselländisches Pergamon" bekannt geworden. Es profitierte einst von der außerordentlich günstigen Lage des Orts, einem Knotenpunkt zwischen den Altstrassen des Hunsrücks, einem Fährplatz nach Emmel oder Piesport, das seinen Namen von Pigontii portus, was die Furt des Pigontius ableiten könnte oder vielleicht von Bigentius, den keltischen Händlergott und einer nördlich der Mosel weiterführenden alten Strassenverbindung in dieWittlicher Senke.

Ein Umschlagplatz hat sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt. Für Großkaufleute, Händler und Handwerker war das offensichtlich ein geeigneter Siedlungsplatz, ein Wohnort für reiche Römer.

In Konstantinischer Zeit wurde schließlich ein Kastell gebaut und die Stadt durch eine Stadtmauer befestigt. Der Kaiser Konstantin hat hier seine Sommerresidenz erreichtet.

Neumagen ist im Itinerarium Antonini und in der Tabula Peutingeriana enthalten.

Berühmte Arbeiten der römischen Bildhauerkunst sind heute als Duplikate in der Stadt zu bewundern.Z.B.: Das Relief der Pachtzahlungen eines gallischen Bauern oder die Frisierszene

In den Fundamenten der städtischen Festung waren die berühmten Neumagener Denkmäler verbaut. Die Grabmonumente spiegeln das Alltagsleben, den Handel und die Entwicklung der Bildhauerkunst des Trierer Landes zur römischen Kaiserzeit vom 1.-3.Jhd. n. Chr. wieder.

Die Peterskapelle ist noch der Rest einer Burg von Erzbischof Boemund von Warsberg (1286 bis 1299). Hier steht auch das Denkmal für Ausonius, der die Stadt einst in seinem Gedicht beonders begrüßte.

Die Trasse der alten Römerstrasse zieht sich wie in alten Tagen durch die Mitte des Städtchens. Teilweise stehen vor den Lokalen auch Tische und Stühle und laden sehr dezent ein zum "Bleiben und zum Genießen" . Hier läßt es sich auch in aller Ruhe und Gemütlichkeit prächtig den leiblichen Genüssen nachgehen.

Die Römerstrasse zieht weiter über die Dhronbrücke nach dem Nachbarort Dhron..

Die Römerstraße verläßt Dhron in die Richtung Niederemmel und weiter in den Hunsrück