Altstraßen

im Herzen Europas

Abschnitt Belginum – Kirchberg (Dumnissus)

Intensive Ausgrabungsarbeiten des Rheinischen Landesmuseums Mainz in der Nähe des “Stumpfen Turmes” an der Hunsrückhöhenstraße haben in den letzten Jahrzehnten ein relativ umfassendes Bild der einstigen, aus vorrömischen Wurzeln entstandenen, Handwerker- und Handelssiedlung entstehen lassen. Diese Siedlung lag bereits zur Keltenzeit an einer Ost-West (Verbindung Trier – Mainz,Rhein) und einer Nord-Süd ( Moselraum zum Nahegebiet) ausgerichteten Wegeverbindung.

Etwa um 400 vor Chr. wurden hier am östlichen Rande der Belginumsiedlung die ersten Hügelgräber aufgeschichtet. Die eisenzeitliche Hunsrück – Eifel – Kultur wird in den Funden zum Ausdruck gebracht. Nach Flachgräbern mit Brandbestattungen folgen im 4.Jh. nach Chr. wieder Körperbestattungen. Gegen Ende des 4.Jhds. nach Chr. erfolgnen offensichtlich keine Bestattungen mehr. Belginum wird in dieser Zeit verlassen.

Bis in das 19.Jhd. hinein standen an der Kreuzung der Hinzerath – Wederathstraße mit der heutigen Hunsrückhöhenstraße (der einstigen Römerstrasse) die Reste einer römischen Straßenstation des ehemaligen römischen „Vicus Belginum“. Der Name der Siedlung ist durch mehrere Inschriften bezeugt. Reiche Gebrauchs- und Kunstschätze wurden bei den Grabungsarbeiten gefunden und geben somit ein relativ klares Bild der ehemaligen Siedlung. Der Name ist auch in der römischen Straßenkarte “Tabula Peutingeriana” eingetragen.

Im archäologischen Museum (der Stadt Morbach) an der Stelle des einstigen Belginum sind viele Fundstücke zusammen mit anderen informativen Beschreibungen ausgestellt. Hier kann ein guter Überblick gewonnen werden.

Belginum zeigt für ein Straßendorf eine typische Bebauung. Eine enge Aneinanderreihung von schmalen und langgestreckten Parzellen. Entlang der damaligen Hauptstraße, der heutigen Hunsrückhöhenstraße standen auf einer Länge von rund 500m die langgestreckten barackenarttigen Gebäude mit einer Breite von 8 – 10m und einer Länge von 30 – 40 m. Jedes Haus war unterkellert und hatte ein kleines Vordach. Abgedeckt waren die Häuser mit Ziegeln oder Schieferplatten. Brunnen, Zisternen und Abwasserkanäle zeigen die Wasserver – und Entsorgungder Siedlung.

Im Hinterhof eines Wohnhauses wurde ein 18m tiefer Brunnen gefunden und frei gelegt. Er war bis zur Teufe von 17 m, bei einem Durchmesser von 1,2m, ausgemauert. Auf der Sohle des Brunnens stand eine relativ gut erhaltene hölzerne Doppelkolbendruckpumpe mit dem dazu gehörigen Steigrohr. Der Pumpenstock besteht aus einem längsgespaltenen Eichenstamm, hergestellt um das Jahr 273 nach Chr.. Ein Nachbau der Pumpe im Landesmuseum Trier förderte 35 ltr Wasser / Min aus einer Tiefe von 20m.

Offensichtlich hatten hier viele Handwerker ihre Werkstätten und Händler ihre Läden. Eine Vielzahl von Werkzeugen wurde gefunden (Wagner, Tischler, Zimmerleute, Ärzte, Tuchmacher, Geräte für die Metallgewinnung wurden gefunden ebenso für das metall – und holzverarbeitende Gewerbe). Außerdem gab es sehr wahrscheinlich Unterkünfte für Menschen und Tiere. Die aufgetretene keramische Vielfalt ist nicht zu vergessen. Ebenso sind die Sapropelith – Ringe (wahrscheinlich aus Tschechien), Spinnwirtel aus Lignit (aus Autun) und ein Gefäß mit einer Namensbeschriftung des Besitzers aus Bibracte zu erwähnen. Die Fundstücke zeigen auch wie die Bewohner des Ortes vom 1. Jh. vor Chr. bis zum 4. Jhd. nach Chr. langsam unter der römischen Herrschaft römisch wurde. Der Fernhandel blühte hier sichtbar.

Vier Tempelbezirke waren für die Verehrung ihrer Götter eingerichtet. Es gibt dabei auch Befunde die auf eine keltische Kultur hinweisen.

Wir verlassen Belginum in Richtung Kirchberg auf der Trasse der Ausoniusstarße, der heutigen Hunsrückhöhenstraße. Der “Stumpfe Turm” ist ein weithin sichtbares Zeichen.

Die Ausoniusstraße liegt hier bis zur ersten leichten Linkskurve der Hunsrückenhöhenstraße direkt unter der neueren Straße. Dann verläuft die Ausoniusstarße schnurgerade durch Hochscheid, weiter südlich Horbruch, dann nördlich der Hockenmühle, überquert die Straße Hirschfeld-Krummenau und verläuft an der Waldgrenze “Im Eichholz”als herrlicher Wanderweg, um direkt an der Waldgrenze in die Richtung nach Kirchberg zu führen. Im Bereich der Waldgrenze ist auch die römische Strassenanlage noch zu erkennen: Damm und Graben zeichnen sich deutlich ab. Nach kurzer Strecke zieht sich der Wald etwas zurück und die Römerstraße verläuft unter der Trasse eines Feldweges, wobei sich der Damm noch deutlich abhebt, in östlicher Richtung wieder in einen Wald und südlich an dem keltischen Fürstengrab vorbei und erreicht schließlich die Verbindungsstrasse Niederweiler – Laufweiler.

Bei Niederweiler wurde auf eim uralten Bestattungsplatz ein Wagengrab aus der Latènezeit festgestellt. Es handelt sich wahrscheinlich um einen Krieger des keltischen Adels. In der späteren Römerzeit wurde hier auch ein Römergrab errichtet.

 Östlich dieser Verbindungsstrasse geht die Ausoniusstrasse weiter. Der Weg führt durch einen wunderschönen Wald. Auch am Samartenweg kommt man vorbei.

Auf der östlich der Verbindungsstrasse Niedersohren – Dill weiterführenden Verlängerung der Ausoniusstrasse kommt man zunächst über den Diller Bach und wenige Meter weiter durch einen Hohlweg mit einem Stück “Römerstrasse” zu einem rekonstruierten Wachturm.

 

Am Turm ist ein Rastplatz mit Sitzbänken und Tischen angelegt. Kinder finden hier ein kleine Spielwiese an einem echten Aussichtspunkt. Noch bessere Aussicht kann man allerdings vom Turm aus selbst erleben. Im Turm sind Informationstafeln über die Ausoniusstrasse und die Karte Peutingeriana angebracht. Nur wenige Meter weiter steht die Ausoniushütte, eine Holzhütte mit einer Reihe von alten in der Literatur beschriebenen Gesellschaftsspielen des alten Roms. Jedenfalls sind hier die Spiele beim Gebrauch kennen zu lernen und nicht mühevoll in den Beschreibungen der Literatur.

 

Die Ausoniusstrasse verläuft durch den Wald geradlinig weiter mit Informationstafeln ausgestattet bis zum Wasserwerk Liederbach und überquert die Strasse nach Dillendorf. Sie überquert den Kyrbach und führt schließlich über den Bissulapfad auf die Originaltrasse der Ausoniusstrasse auf die heutige Hauptstrasse in Kirchberg – Denzen. Der Bissulapfad hat seinen Namen von der suebenischen Sklavin Sulpitilla Bissula, die der Kaiser Valentian I (364-375) nach dem guten Ausgang des Kriegszuges gegen die Alemannen (368) seinem Gast Ausonius geschenkt hatte. Der Dichter hat sie auch in einem seiner Gedichte besungen. Denzen ist sicherlich das römische “Dürre Dumnissus” aus dem Ausoniusgedicht (371). Im Stadtteil Denzen erinnern noch der Römerbrunnen und das Museum im Heimathaus, dem außerordentlich markanten und stilvollen Fachwerkhaus, an die römische Zeit. Hier in Kirchberg – Denzen war auch eine römische Poststation eingerichtet, die entlang der römischen Fernstrassen in relativ konstanten Abständen eingerichtet waren und in denen Menschen und Pferde Unterkunft finden konnten.

Alte geschmackvolle Fachwerkhäuser stehen am Marktplatz neben anderen stattlichen Bürgerhäusern aus dem 18.Jhdt. Der Erfinder der Fahrrades, Freiherr von Drais (1785-1851) hat hier lange Jahre während seiner Jugendzeit gelebt. Auch der französische Kaiser Napoleon soll hier gewesen sein und auf dem Napoleonsbänkchen gesessen haben.

Sehenwert in Kirchberg ist auf jeden Fall die spätgotische katholische Pfarrkirche. Sie gehört zu den schönsten Kirchen im Hunsrück. Aus Grabungen weiß man, daß sie nach drei Vorgängerbauten errichtet wurde. Man fand Hinweise auf den römischen Vicus, auf Holzbauten, Strassenpflaster, Münzen aus dem 1., meist jedoch aus dem 2. und 3. Jhd. Und einen Brunnen mit 1,3m Durchmesser. Reste dieser Vorgängerbauten können besichtigt werden. Das benachbarte Pfarrhaus ist ein ehemaliges Piaristenkloster mit einem Portalwappen aus der badischen Zeit. Der Verlauf der alten Römerstrasse liegt unter der heutigen B 50 und zieht durch die Mitte des Städtchens.

Der Marktort Kirchberg-Denzen mit seinen zahlreichen vor- und frügeschichtlichen Funden auch in der näheren Umgebung gilt als die älteste Stadt im Hunsrück. Die Stadtrechte erhielt sie 1259 durch den Sponheimer Grafen Simon I.

In die Tabula Peutingeriane ist Kirchberg-Denzen mit “Dumno” eingetragen.

Die “Tourist – Information Kirchberg” am Marktplatz informiert alle “Altstrassen-Wanderer” und sonstige Touristen bestens. Außerdem unterhält sie in vorbildlicher Weise die Infotafeln an der Ausoniusstrasse. Danke!

Ein besonderer Dank gilt auch dem Hunsrückverein. der durch seine Informationstafeln die Ausoniusstrasse zu einer Wanderung durch die Geschichte werden läßt.

Einen herzlichen Dank auch den Heimatverein Günzerath für die intensiven Bemühungen um die Beschilderung dieser Altstrasse.

Gerade Altstrassen brauchen sehr häufig örtliche Aktivitäten und Interessen, um Wegereste und Hinweise zu erkennen und sie für die Nachwelt zu erhalten und zu pflegen. Die örtlich gesammelte Literatur und die örtlichen Beschreibungen helfen die vielen Bausteine zu einem möglichst vollkommenen Bild zu ergänzen.

 Gerade kleinere und kürzere Altstrassen sind im Laufe der Jahrhunderte oft weniger in ihrer Trassenführung verändert worden und die ursprünglichen Strassendämme und Gräben zeichnen sich daher besonders in Waldgebieten noch gelegentlich ab. Sie eignen sich daher besser für eine echte Fußwanderung mit Familie und Kindern als andere Trassenstücke, die sehr oft von modernen Strassen belegt und meist sinnvoll nur mit dem Auto befahren werden können.